Hein Godenwind de Admirol vun Mosketonien

 

 

„Hein Godenwind de Admirol vun Mosketonien“ ist ein plattdeutscher Roman von Gorch Fock, der an der Elbe und in Hamburg angesiedelt ist. Der Autor heißt eigentlich Johann Wilhelm Kienau und hat unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht. Sein berühmtestes Werk ist der 1912 auf hochdeutsch erschienene Roman „Seefahrt ist Not“. Schon 1916 im Alter von 36 Jahren in einer Seeschlacht zu Tode gekommen, wird er später von den Nazis vereinnahmt.* Beim Lesen des „Admirol“ war daher für mich Vorsicht geboten: schreibt hier ein Nationalist und Antisemit?

 

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe in dem Buch nichts dergleichen gefunden. Die Hauptfigur des 1913 veröffentlichten Romans Hein Godenwind war Admiral in dem fiktiven mittelamerikanischen Staat Mosketonien, also eher Söldner denn patriotischer Soldat. Gegenüber diesem Land hat er Pensionsansprüche, die aber seit den letzten drei Jahren nicht mehr eingelöst worden sind, so dass er in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Das ist umso schlimmer als er sich für zwei versehrte Seeleute verantwortlich fühlt, dem einarmigen Steuermann und dem blinden Harmonikaspieler. Außerdem ist da noch Anna Susanna, die ihre Miete nicht mehr zahlen kann.

 

Das ist der Ausgangspunkt der episodenhaft erzählten Geschichten, die uns nach Altona und auf den Fischmarkt und schließlich zum Erwerb eines kleinen Schiffes führen, das dann als Wohnung für die vier Personen dienen kann. Obwohl das Segelschiff nicht hochseetüchtig ist, plant Hein Godenwind eine Reise über den Atlantik, um seine Geldforderungen vor Ort einzutreiben, aber auch um es den Seeleuten auf der Elbe zu zeigen, die ihn immer wieder verspotten. Diese Atlantiküberquerung wird aber klugerweise vom Steuermann hintertrieben, der das ganze Unternehmen für viel zu gefährlich hält. 

 

Am Ende des Buches wird von einem gefährliche Sturm erzählt, in dem ein englisches Schiff in Seenot gerät und Hein Godenwind zum Held wird, aber zu einem hohen Preis, denn die beiden Seeleute, der Steuermann und der Blinde, verlieren dabei ihr Leben. Auch hier gibt es keine nationalistischen Töne, denn die Nationalität der Geretteten spielt keine Rolle: es geht um die Menschen, die in Not sind, egal woher sie kommen. Auch antisemitische Sprüche sind im Roman nirgends zu finden und Juden tauchen im Übrigen im gesamten Text nicht auf. Wenn Gorch Fock also Nationalismus und Antisemitismus vorgeworfen wird, auf dies Werk kann man sich da nicht berufen.

 

Mir hat das Lesen von „Hein Godenwind de Admirol vun Mosketonien“ viel Spass gemacht und kann es jedem Plattdeutschleser nur empfehlen.

 

 

 

 

*  Eine kritische Auseinandersetzung dazu findet sich hier: https://www.gew-hamburg.de/sites/default/files/download/hlz/hlz_2016_juli-august_gorch_fock.pdf