Porträt eines schlewig-holsteinischen Altbauern

im Film „Full Metal Village“

 

 

Wenn mich jemand fragen würde, was einen typischen Bauern aus Schleswig-Holstein kennzeichnet, würde ich auf den Film „Full Metal Village“ verweisen, einem bemerkenswerten Dokumentarfilm, der das Dorf Wacken vor dem berühmten Heavy-Metal-Festivals beschreibt. Was den Film so außergewöhnlich macht ist die Tatsache, dass die Regisseurin Sung-Hyung Cho, eine Koreanerin, mit ihrem einfühlendem – niemals denunziatorischen- Blick von außen auf mehrere sehr unterschiedliche Dorfbewohner ein realistisches Bild eines heutigen Dorfes in Schleswig-Holstein einfängt.

 

Sie porträtiert dabei auch zwei Bauern. Der eine ist ein Hans-Dampf, der jede Gelegenheit Geld zu verdienen nutzt. Er ist zwar derjenige, der im Film mit seiner Frau und im Dorfgasthof plattdeutsch redet und einen wunderbaren Einblick in eine lange Ehe auf einem Bauernhof gewährt, findet aber bei mir dennoch nicht das gleiche Interesse und die gleiche Sympathie wie der andere: ein Altbauer, der noch auf dem Hof des Nachfolgers die Kälber füttert, und für mich das Musterbeispiel für einen selbstbewussten, kenntnisreichen holsteiner Bauern ist wie ich ihn aber genauso vom schleswiger Teil des Landes kenne. Er ist die erste Person, die geschildert und die letzte, die beim Abspann gezeigt wird und die einzige Person, mit der die Filmemacherin in einen direkten Dialog tritt, so dass der Schluss naheliegt, dass auch sie ihn für eine zentrale Figur ihres Films hält.

Sein Humor ist feiner als der des anderen. Er sitzt auf einer Bank vor dem Haus und wartet darauf, dass die Milch für die Kälber aufgeheizt wird und guckt dabei zu wie eine Katze sich an der Milch gütlich tut. „So macht Landwirtschaft Spaß.“, sagt er lächelnd. Dieser Satz wird zum Untertitel des Dokumentarfilms. Er erklärt, wie die Kälbeeraufzucht funktioniert und beschreibt die Probleme der Milchviehhaltung während er mit seinen Kälbern beschäftigt ist.

Als er nach seiner Ehe gefragt wird, werden seine Augen feucht. Man muss für einander dasein, ist seine Überzeugung. Offensichtlich geht es seiner Frau nicht gut, so dass sie im Film nicht auftreten möchte. Es ist ein kleiner Geniestreich, dass sie dann ganz am Ende des Abspanns - als Schlusspunkt des Films - gemeinsam mit ihrem Mann an Krücken vor die Kamera tritt und er ihr einen zärtlichen Kuss gibt.

 

Die Regisseurin bezeichnet ihren Film als Heimatfilm und das zu Recht: hier wird Heimat im besten Sinn gezeigt: ohne Kitsch, ohne falsche Sentimentalitäten und auf eine verblüffende Weise realistisch. Der Film ist im Jahr 2006 gedreht und hat nichts von seiner Faszination verloren.