Mittagsstunde – der Film (OmU: Original mit Untertiteln)

 

 

Der Film „Mittagsstunde“ ist in zwei Fassungen gedreht worden, auf  plattdeutsch und  auf hochdeutsch. Für Plattsprecher sollte nur die Fassung, die mit OmU angekündigt wird gewählt werden. Ich finde der Film ist ein Muss für alle Plattsnacker.

 

Was immer auch ich in diesem Artikel als Kritik formuliere, eines sollte klar sein: der Film ist absolut sehenswert und unbedingt zu empfehlen. Charly Hübner als Hauptfigur Ingwer liefert eine grandiose Leistung ab und nicht nur er, auch die anderen Schauspieler haben mich überzeugt..

 

Mich hat natürlich das Plattdeutsch in dem Film interessiert. Wie auch im Roman ist es absolut authentisch für die Gegend, in der die Geschichte angesiedelt ist und die Schauspieler haben sicher  große Mühe investiert um das hinzukriegen. Ein Beispiel kann das illustrieren: Ingwer war Lehrer Steensens lieber Junge und das wird im Film so ausgespochen: libbe Jung,  genauso wie ich es kenne.

 

Der Plot des Films entspricht ziemlich genau dem des Romans, aber mit einem großen Unterschied, denn anders als im Roman wird alles von der Hauptfigur Ingwer aus erzählt, während im Roman die Perspektive der „verdreiten“ Marret gleichrangig vorkommt. Das ist zwar schade, aber war wohl filmtechnisch nicht anders hinzukriegen.

 

Ein Glücksfall für den Film war wohl auch das Finden eines realen alten Dorfkrugs als Hauptschauplatz des Films. Dieser Krug überdauert die verschiedenen Zeitebenen, in denen der Film spielt. Das Krögerehepaar wird dabei von zwei verschiedenen Schauspielerpaaren dargestellt. Auch Ingwer wird als Junge durch einen anderen gespielt. Da auch der Wandel des Dorfes im Laufe der Zeit sehr klar herausgestellt wird, weiß man immer wo man sich zeitlich befindet.

 

Es hat mich aber gestört, dass Ingwer von einem früheren Mitschüler „Kümmerling“ genannt wird, denn das passt nicht zu den Schauspielern, die Ingwer darstellen, sie sind eher groß und keineswegs kümmerlich gewachsen. Da hat der Buchautorin ursprünglich wohl auch eine andere Figur vorgeschwebt. Dennoch bleibt die Entscheidung, Ingwer mit Charly Hübner zu besetzen absolut richtig.

 

Schon beim Lesen des Romans hatte ich Mühe, den Titel „Mittagsstunde“ zu entschlüsseln. Mir scheint ohne den Roman zu kennen, bleibt der Titel ziemlich unverständlich. Aber das wird gezeigt: als die Frau des Krögers zu Lehrer Steensen geht, zeigt die Kirchturmuhr viertel vor Eins, das ist in der Mittagsstunde. Und aus diesen mittäglichen Treffen entsteht der ganze „Kuddlmuddl“ der Familiengeschichte, der im Laufe des Films nach und nach klar wird. Und diese Familiengeschichte muss man sehen.

 

Also: nichts wie rein ins Kino! Es lohnt sich, bestimmt!

 

Hier ist noch einmal der Link zur Buchbesprechung.